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Renault Twizy: Hoffen und ehrlich

Renault Twizy

Nix mit unbezahlbarem Elektro-Showprogramm: Der zweisitzige, vierrädrige RENAULT TWIZY demokratisiert auf pfiffige Art für rund 8000 Euro die lokal emissionsfreie Fortbewegung. Und wie fährt er?

"Was bin ich?“ fragt der Twizy aus jeder Rundung seiner Kunststoffhülle. Ganz einfach: ein Quad. Nein, keines dieser nervig brummenden, unförmigen Pseudo-Geländedinger, sondern ein ganz pfiffiges, fast lautloses. Für den Vortrieb sorgt ein Asynchron-Elektromotor mit 18 PS und 57 Newtonmeter Drehmoment. Hinzu kommt eine neue Maßeinheit: Lächeln pro Minute. Wussten Sie, dass man dafür nur zwei Muskeln braucht? Wenn Twizy durch die Stadt – den propagierten Lebensraum des kleinen Stromers – kreuzt, sind die beiden jedenfalls im Dauereinsatz. Alle staunen, fast jeder freut sich.

Preislich noch im Rahmen

Wobei nicht ganz klar wird, ob über den Typen, der sich so ein seltsames Ding zulegt, oder über das seltsame Ding an sich. Preislich orientiert sich Twizy mit einem Grundtarif von 7690 Euro (Türen kosten 590 Euro extra) irgendwo zwischen Roller und Minicar, klanglich jedoch klar an der Straßenbahn. Fehlt nur noch das „tsch“ der pneumatischen Türen, und die Illusion wäre perfekt. Luftgetriebene Türen hat Twizy nicht, aber luftige. Sie sind halbhoch, reichen im Stehen nur bis zur Hüfte und lassen eine Menge Frischluft an die Insassen, was eine Extra-Lüftung erspart. Von null auf 60 summt man in 8,1 Sekunden, Stress ist also anders. Außerdem herrscht bei jedem Stopp nach zugiger Fahrt ein kontemplatives Schweigen, was überdies der Verbrennermobilität noch den Spiegel vorhält.

Im Schnitt 80 Kilometer pro Ladung

Twizy summt nämlich lokal emissionsfrei. Je nach Einsatzart kommt er zwischen 50 und nach ECE 15-Norm 100 Kilometer weit. Auf der sparsam gefahrenen Testrunde reichen die 6,1 kWh brutto des luftgekühlten Lithium- Ionen-Akkus für 83 Kilometer. Das ergibt einen Verbrauch von 8,4 kWh/100 km und entspricht nach EU-Strommix einer vorbildlich niedrigen CO2-Emission von nur 40 g/km. Der 98-Kilogramm-Akku unter der Fahrersitzmulde besteht aus sieben Modulen und jeweils sechs Zellen mit einer Gesamtspannung von 60 Volt. Nähert sich der Batterieinhalt dem Ende, warnt Twizy optisch und akustisch, bevor er seine Leistung reduziert. Aufladen klappt an jeder ausreichend abgesicherten 230-Volt-Haushaltssteckdose. In dreieinhalb Stunden soll der E-Renault komplett vollladen, in der Praxis sind es allerdings fünfeinhalb.

Und schon geht es wieder los – die 13-Zoll-Reifen wetzen lassen. Nichts fürchten die Renault-Leute mehr als den Umsturz. Deshalb ist das Fahrwerk des 2,34 Meter langen, aber nur 1,23 Meter breiten und 1,45 Meter hohen Twizy wankstoppend und rückenmordend hart abgestimmt. Zudem drehen sich vorn mit 125/80 R 13 schmalere Pneus als hinten (145/80 R 13). Wer mit Gefühl und passendem Tempo in die Kurve sticht, erntet sanfte, ungefilterte Fahrdynamik – geringes Gewicht und servofreie, direkte Lenkung lassen grüßen. Höheres Tempo quittieren die Vorderräder mit harmlosem Rubbeln. Nicht gefährlich, aber respektfördernd, schließlich steht keine Sicherheitselektronik parat. Selbst beim Bremsen nicht, wo Twizy auch ohne ABS mit seinen vier Scheiben mit etwa 9,7 m/s2 verzögert. Aus 80 km/h steht er nach 25 Metern – problemlos.

Autobahn? Lieber nicht

Weniger nervenschonend verlaufen Autobahntörns, bei denen die unterhalb des Lkw- Tempos liegende Höchstgeschwindigkeit sowohl Gelassenheit als auch viel Mut erfordert. Fahrerairbag und Stahlrohrrahmen sind da ein schwacher Trost – speziell bei einem Seitenaufprall. Heizung? Keine. Ablagen? Zwei kleine Fächer auf dem Armaturenbrett, eines davon abschließbar, sowie ein schwer zugängliches Fach hinter dem Rücksitzpolster mit 31 Liter Volumen. Doch wer sich als Elektro-Revolutionär fühlen möchte, den werden solche Petitessen genauso wenig abschrecken wie das gesonderte Batterieleasing für rund 60 Euro monatlich oder die atmungspassiven Kunststoffsitze. Also: nur Mut!

5. Juni 2012
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Jörn Thomas

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